Experteninterview im Rahmen der Erzieherausbildung

Julia machte ihre Ausbildung zur Erzieherin. Im Rahmen der Erzieherausbildung „OptiPrax“ sollte sie ein Experteninterview führen. Sie suchte nach geeigneten Einrichtungen und findet eine mit einem Schwimmbad. Da sie selbst gerne schwimmt und bereits junge Menschen im Wasser trainiert fragt sie bei der Aqua Kita nach und wir vereinbaren einen Termin.

Das Interview ist großartig vorbereitet. Wir tauschen viele Informationen aus und haben einiges zu lachen. Nachhaltig hat Julia uns beeindruckt und so fragte ich, ob wir das Interview nicht im Rahmen unseres Blogs veröffentlichen können. Es wäre eine Möglichkeit viele Fragen von interessierten Familien kompakt zu beantworten und vielleicht auch Orientierung bei der Berufswahl zu bieten. Trotz Prüfungsstress bereitete Julia nicht nur das Referat für die GGSD vor, sondern schrieb auch noch den Beitrag.

Ihren Beitrag „Was macht eigentlich eine Aqua-Kita“ für die Schule findet ihr auf der Seite der GGSD.

Nun folgt Julias Beitrag:

Ich werde Erzieherin – Mein Weg zum Experteninterview
Hallo liebe Leserinnen und Leser, ich möchte mich kurz vorstellen.
Mein Name ist Julia, ich bin 22 Jahre alt. Meinen Krippeneltern hier in der Aqua – Kita bin ich mittlerweile als Erzieherin bekannt. Vor noch nicht allzu langer Zeit, besuchte ich die Fachakademie in Nürnberg Langwasser. Ich absolviere dort die Ausbildung zur Erzieherin. Dadurch, dass ich mein Abitur im Jahr 2018 bestand, hatte ich die Möglichkeit meine Erzieherausbildung im Rahmen des OptiPrax – Modellversuchs, im September 2018 zu starten und somit war ich meinem Traum, Erzieherin zu werden, ein Stück näher.

Vielleicht fragt ihr euch nun, was OptiPrax überhaupt bedeutet und warum ich mit einem Abitur eine Erzieherausbildung startete und wieso dieser Beitrag hier auf der Aqua – Kita Seite steht. Wenn ihr Lust habt, mehr über mich, meine Ausbildung, meine Schule und über das Interview, das ich mit Susanne Fischer und der Einrichtungsleitung geführt habe, zu erfahren, dann klickt euch doch einfach mal durch! Ich würde mich freuen!

Was könnt ihr euch unter dem Begriff „OptiPrax“ vorstellen?

Wie ihr vielleicht wisst, fehlen uns sehr viele Erzieher in ganz Bayern und auch in den anderen Bundesländern sieht es teilweise nicht besser aus. Deshalb startete Bayern mit dem Schuljahr 2016/2017 den Modellversuch OptiPrax. Dies bedeutet nichts anderes als eine Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen. Das Kultusministerium versuchte damit eine neue Möglichkeit zu erschaffen, den Beruf des Erziehers durch mehrere Komponenten attraktiver zu gestalten, um damit auch andere Bewerbergruppen zum Beispiel Männern, Fach- / Abiturienten oder Quereinsteiger für die Ausbildung zu gewinnen. Der Unterschied zur bisherigen Ausbildung ist zum einen, dass die Dauer der Ausbildungszeit verkürzt wird und zum anderen, dass die Auszubildenden, während der ganzen Zeit, Ausbildungsgehalt erhalten. Das Besondere ist weiterhin, dass man sich vor dem Start einen Träger suchen muss, der die Beschäftigung und Bezahlung über die komplette Ausbildungszeit übernimmt. Auch soll im Rahmen von OptiPrax, die Praxis in die theoretische Ausbildung integriert werden, was heißt, dass sehr viel Wert auf die Praxisphasen in den Einrichtungen gelegt wird. Die Dauer der Ausbildung hängt nun davon ab, welcher Schulabschluss vorhanden ist, oder was man davor gearbeitet hat. Diese Ausbildungsvariante OptiPrax soll die bestehende Ausbildungsart nicht ersetzen, sondern neben der bestehenden integriert sein und andere Bewerbergruppen ansprechen.

Wieso habe ich mich trotz eines Abiturs für die Erzieherausbildung entschieden?

Im Kindergarten sagte ich vor circa 16 Jahren zu meiner damaligen Erzieherin: „Wenn ich groß bin, möchte ich so sein wie Du!“ Meine Mama erzählt mir oft, dass ich sie damals sehr bewundert habe, mich großartig um meine jüngere Schwester kümmerte und gerne mit den jüngeren Kindern aus meiner Nachbarschaft spielte. Als ich älter wurde, trat ich meinem Schwimmverein bei, indem ich mittlerweile nicht nur Jugendtrainerin, sondern auch Ju-gendleiterin der Ortsgruppe bin. Ich absolvierte meine Praktika am Gymnasium in meinem altem Kindergarten. In der zehnten Klasse merkte ich: Ich will unbedingt Erzieherin werden!
Bei Äußerung meines Berufswunsches bekam ich oft zu hören: „Warum Erzieherin? Du wirst ein Abitur machen, da kannst du so viel anderes erreichen!“ oder „Bist du dir wirklich sicher? Dann müsstest du doch das Abitur gar nicht machen und hättest dich nicht durch das Gymnasium quälen müssen!“ Diese Aussagen trafen mich damals sehr. Denn ich hatte keinen größeren Wunsch, als nach meinem Abitur als Erzieherin mit Kindern zu arbeiten.
Doch vor mir lag damals noch die Oberstufe des Gymnasiums. Für mich war klar, dass ich das Abitur auf jeden Fall beenden würde. In der 11. Klasse (2016/ 2017) sollten wir im Rahmen des Projektseminares unseren Berufswunsch vorstellen. Natürlich griff ich zum Berufsfeld Erzieher. Bei meinen Recherchen stieß ich wohl auf die Ablösung des Gedanken: „Würde ich wohl mein Abitur verschwenden, wenn ich Erzieherin werde?“ Ich fand heraus, dass der Modellversuch OptiPrax im September 2016 startete und, dass Bewerber mit Abitur die Erzieherausbildung in drei Jahren und mit Ausbildungsgehalt absolvieren können. Von da an war klar: Ich werde Erzieherin!
Denn was gibt es Schöneres seinen Traumberuf erlernen zu dürfen und Anerkennung für sein Abitur zu bekommen? – Für mich nichts! Bei mir hat das Kultusministerium in Bayern das erreicht, was es wollte: Andere Bewerbergruppen ansprechen.

Wahl der Schule und meine Ausbildungszeit

Noch während der Vorbereitung meiner Präsentation in der 11. Klasse, erkundigte ich mich nach Schulen, die die OptiPrax Variante 2 (für Schüler mit Fachabitur oder Abitur), anbieten würden. Dabei stieß ich auf die Fachakademie in der Zollhausstraße, die ich ab September 2018, in meinem dritten und letzten Ausbildungsjahr, besuchte. Beworben hatte ich mich recht spät, im Dezember 2017. Jedoch konnte ich in einem Bewerbungsgespräch mit unserer stellvertretenden Schulleiterin von mir überzeugen. Anschließend musste ich mich um einen Träger kümmern, der mich für drei Jahre aufnahm. Hier fand ich einen, bei dem ich die Möglichkeit hatte in den Bereichen Krippe, Kindergarten und Hort einen Einblick zu bekommen. Ich verbrachte dort drei sehr schöne und lehrende Ausbildungsjahre! Nachdem ich die Zusage des Trägers hatte, bekam ich den Schulplatz zugeschrieben und musste „nur“ noch mein Abitur schaffen. Mit Erhalt des Abiturs im Juni 2018 war es sicher: Ich wer-de Erzieherin!
Im September 2018 startete die Ausbildung. Nun stand ich nach drei Jahren kurz vor den Abschlussprüfungen und eines kann ich euch sagen: Auch wenn die dreijährige Ausbildung, dadurch dass sie verkürzt ist, nicht immer ganz einfach ist und ich immer schauen musste Schule, Arbeit und das Privatleben unter einen Hut zu bekommen, habe ich es in diesen drei Jahren kein einziges Mal bereut, diesen Weg, an dieser Schule, bei meinem Träger, gewählt zu haben.
An der Fachakademie wurde ich immer unterstützt und die Lehrer und auch die Schulleitung sind immer für einen da, wenn man sie braucht. In den Fächern wird meist möglichst praxisorientiert gearbeitet. Hierdurch haben wir in den letzten Jahren viel gelernt. Nun stehe ich, wie viele andere, gerade vor einem großen und bedeutendem Wendepunkt in meinem Leben. Ende August 2021 ist es soweit: Ich bin ausgelernte Erzieherin!

Das Experteninterview

Im Rahmen unseres Faches an der Fachakademie, Praxis- und Methodenlehre mit Ge-sprächsführung (PMG), stellten uns unsere zwei Lehrkräfte die Aufgabe:
„Für den praktischen Leistungsnachweis im Fach PMG ist es Ihre Aufgabe ein Interview mit einem/einer Expertin zu planen, vorzubereiten, durchzuführen und zu dokumentieren. Ziel des Interviews ist es, ein Arbeitsfeld für Erzieher*innen vorzustellen, das Sie bisher während Ihrer Ausbildung noch nicht praktisch kennengelernt haben, (…). Dafür befragen Sie einen/eine Expert*in.“
Als ich diesen Auftrag bekam, kreisten mir viele Fragen durch den Kopf: „Hilfe! Wie führt man denn ein Interview?“, „Welche Einrichtung nehme ich denn?“, „Wie geht das alles?“.
Doch ein paar Tage später hatte ich eine Idee.
In der letzten Zeit beschäftigte mich die Frage, wie es ab September weitergehen soll sehr und somit suchte ich nach Einrichtungen, die mich interessieren und dabei stieß ich auf die Aqua – Kita in Mögeldorf. Der ausschlaggebende Punkt, dass ich mir die Einrichtung einmal genauer anschaute, war der Name „Aqua – Kita“ und das Bild von einem Schwimmbad im Keller der Einrichtung. Dies freute mich sehr, da ich selbst Kindertrainerin bin und liebend gerne schwimme.
Mir schoss es durch den Kopf: „Cool! Vielleicht hat jemand aus der Aqua Kita Zeit und Lust mit mir ein Interview zu führen!“
Ich informierte mich also als erstes über die Internetseite, anschließend kontaktierte ich die Einrichtung, las die sich im Internet befindliche Konzeption durch, erstellte daraufhin mit den fehlenden, für mich wichtigen Fragen, den Interviewbogen und führte das Interview dann tatsächlich auch persönlich am 04.02.2021 und gleich mit der Einrichtungsleitung und der Geschäftsführung durch.
Ich entwarf und plante das Interview als strukturiertes Interview. Da wir uns auf Anhieb sehr gut verstanden und sofort ein Gespräch hatten, ließ ich mich „treiben“, hörte gespannt zu und stellte immer wieder ein paar geplante Fragen. Hauptsächlich fragte ich aber das, was sich aus dem Gespräch ergab und was mich interessierte. Somit wurde mein strukturiertes Interview zu einem semistrukturierten Interview. Ich entwickelte einen Leitfaden, jedoch habe ich nicht der Reihe nach die Fragen abgearbeitet, sondern aus Interesse gefragt und frei erzählen lassen. Zum Schluss stellte ich die Fragen, die mir noch fehlten und die ich als wichtig empfand. Dies fand ich als passend und habe es als eine schöne und angenehme Atmosphäre empfunden. Ich lernte viel daraus und ich entdeckte eine neue, sehr interessante Einrichtung für mich.
Die Vorstellung dieser Einrichtung, vor meiner Klasse, stellte für mich eine Win – Win Situation dar. Ich stelle eine neue Einrichtung vor, in der ich noch nicht gearbeitet habe und die auch nicht sehr verbreitet ist und gleichzeitig lerne ich die Einrichtung selbst kennen und weiß dann, ob ich mir vorstellen könnte dort zu arbeiten.
Für mich war das alles sehr aufregend, da ich noch nie ein Interview führte und auch noch nie eins erstellte. Ich wusste nicht worauf ich achten muss, wie viele Fragen es ungefähr sein sollten und wie ich überhaupt anfangen sollte. Aber zwei Dinge wusste ich ganz genau: Ich freute mich riesig auf die Möglichkeit, eine so tolle Einrichtung kennenzulernen und was ich von den beiden wissen wollte, wusste ich sowieso, da es mich sehr interessierte. Ich dachte mir: „Okay! Ich habe mich vorbereitet. Ich weiß was ich will und somit kann nichts mehr schief gehen!“
Und ich kann euch sagen, es ist auch nichts schief gegangen! Von Susanne und Gisela erhielt ich anschließend die Rückmeldung, dass ich es sehr gut gemacht habe und ich stolz auf mein erstes Interview sein kann.
Ich habe durch das Interview und dadurch, dass ich ein wirklich schönes und langes Gespräch mit Susanne und Gisela hatte, sehr viel über die Einrichtung herausfinden können. Ich stehe gerade vor einer großen Entscheidung, wie es im September weiter geht und somit konnte ich mich informieren. Ich konnte durch das Interview viel mehr erfahren, als wenn ich mich nur im Internet erkundigte.
Auch die Vorstellung in der Klasse war sehr angenehm, ich bekam positive Rückmeldung meiner Mitschüler und meiner PMG – Lehrkräfte. Diese Erfahrung, es durchführen zu können, das tolle Gespräch mit Susanne und Gisela und die Erinnerungen daran, werde ich so schnell nicht vergessen.
Wenn ihr mehr über mein Interview wissen wollt, dann findet ihr hier meinen Fragebogen und die Antworten von Susanne und Gisela.

Schlusswort

Anfang März bekam ich von Susanne eine E–Mail, ob ich mir vorstellen könnte, einen Beitrag, über mich und über das Interview, auf dem Aqua Kita Blog zu veröffentlichen. Ich war im ersten Moment überfordert, doch nach und nach war ich einfach überwältigt und mir ist gekommen: „Wow! Ist das eine große Anerkennung!“ Ich stimmte dieser großen Herausforderung zu.
Ich freue mich sehr, dass ich von Susanne und dem Team der Aqua Kita, die Möglichkeit bekomme, mit meiner Geschichte und dem Interview, ein Teil des Aqua – Kita Blogs zu werden! Ich habe hiermit die Chance bekommen, über eine sehr tolle Variante der Erzieherausbildung zu informieren, eine Schule zu erwähnen, deren Schulleitung und Lehrkräfte eine sehr gute Arbeit leisten und gleichzeitig über meine Erfahrungen in meinen jungen Jahren und über die Erfahrungen mit dem Experteninterview zu berichten!

Ein besonderes Dankeschön geht hiermit natürlich an Susanne und Gisela! Ihr habt mir in meinem letzten, besonderen Ausbildungsjahr, geholfen, viele weitere Erfahrungen machen zu können!

In diesem Sinne – vielen Dank! Julia

Was hat sich alles geändert?

Seit dem Interview ist nun schon ein Jahr vergangen und in dieser Zeit hat sich einiges geändert, sowohl für mich als auch in der Ausbildung.
Die Ausbildung „OptiPrax“ gibt es so in Bayern nun unter dem Namen „Pia“. Auch in den anderen Ausbildungswegen zum Erzieher hat sich seit meinem Ausbildungsstart 2018 einiges geändert. Wenn es euch interessiert, könnt ihr gerne die folgende Internetseite besuchen und euch informieren: Ausbildung im Erzieherberuf

Nun zu mir: Schon kurz nach dem Interview Anfang 2021, wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in der Aqua – Kita im September als Erzieherin zu beginnen. Darüber freute ich mich natürlich riesig und unterschrieb somit ein paar Wochen später den Vertrag. Nun hieß es für mich nur noch: Abschlussprüfungen schreiben, die letzten Monate in meiner tollen Einrichtung genießen und im September, nachdem ich die Erzieherausbildung abschloss, in der Aqua – Kita mit viel Aufregung und Neugier zu beginnen.

Und nun bin ich hier. Eine glückliche Erzieherin und Teil des Krippenteams in der Aqua – Kita in Mögeldorf.
Eure Julia

Weshalb wir auf das Loben in der Kita weitestgehend verzichten

Ohne Lob durch den Kita Alltag – warum?

Manche Eltern mögen es, ihre Kinder zu ermutigen, ihnen Komplimente zu machen, ihnen Versprechen zu geben, wenn sie dieses oder jenes tun und sie zu loben. Sehr viele Erwachsene gehen davon aus, dass vor allem das Loben einem Kind gut tut. Aus unserer Sicht und aufgrund unserer Erfahrungen im Alltag mit Kindern betrachten wir das als Irrtum!

Loben kann schlicht und ergreifend abhängig machen und die Bedingungslosigkeit unserer Liebe für andere Menschen einschränken. Deshalb sollten wir lieber ermutigen, wertschätzen und unser gegenüber wahrnehmen.

Normalerweise gehen die Menschen davon aus, dass häufiges Loben für gute Leistungen oder für erfüllte Erwartungen, das Selbstvertrauen eines Menschen steigert und motiviert.

Erfolg und gute Leistungen oder ausgezeichnete Zensuren, sind jedoch nicht das Wichtigste. Wirklich bedeutend ist es stattdessen, sich selbst als besonders zu fühlen, so wie man ist, so wie man etwas geschafft hat. Wenn Ihr Euren Kindern beispielsweise ein Lob für eine bestimmte Handlung aussprecht, besteht der entscheidende Unterschied darin, ob Euer Kind nun das Gefühl bekommt, dass Ihr es liebt, für das was es tut, oder dafür wie es ist.

Zurecht wird jetzt die eine oder der andere von Euch sagen: “Moment, ich liebe mein Kind natürlich für das wie es ist.„ Das möchten wir auch gar nicht anzweifeln.

Ihr könnt ja gerne mal den Versuch wagen, Euer eigenes Verhalten Eurem Kind gegenüber zu beobachten. Vielleicht stellt Ihr dann auch fest, dass diese selbstverständliche bedingungslose Liebe, für Eure Kinder allerdings nicht immer eindeutig zu identifizieren ist. Auch wenn Ihr als Eltern von dieser Liebe wisst, werden Eure Kinder mit dieser Tatsache nicht geboren und brauchen daher immer wieder eine Art Rückversicherung.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: „Wie kann ich meinem Kind denn diese Gewissheit geben?“

Dafür braucht es drei wichtige Komponenten. Schenkt ihnen Eure liebevolle Zuwendung, berührt sie zärtlich und schenkt ihnen achtsame Worte.

Viele Erwachsene neigen stärker dazu, sich einem Kind besonders dann zuzuwenden, wenn beispielsweise ein neuer Entwicklungsschritt passierte und dann mit Worten wie: „Super, ganz toll, Du hast Pipi gemacht“, „ja ganz prima, fein gemacht, Du bist Laufrad gefahren.“ oder wenn außergewöhnliche Leistungen erbracht wurden: „Ganz stark, heute hast Du die anderen stehen lassen, Du warst 3 Sekunden schneller als beim letzten Sprint, da gibt’s heute ‘ne Sportlerlimo“ „In Mathe eine zwei? Wahnsinn, absolute Klasse, da erhöhen wir doch gleich mal dein Taschengeld für diesen Monat.“ Oder wenn sich Kinder unserer gesellschaftlichen Erwartungen entsprechend verhalten: „Ja prima, sehr schön gewunken.“ „Sag mal danke, super gemacht, ach bist Du süß!“ „Du bist so lieb, eine ganz brave warst Du heute.“

Gerade bei solchen Äußerungen, fühlen sich Kinder besonders gesehen und wahrgenommen. Sie bekommen eine hervorgehobene, besondere Anerkennung. Jedoch geht jedem Lob eine Handlung voraus und das kann im Laufe der Zeit dazu führen, dass Eure Kinder das Gefühl entwickeln, dass die elterliche Liebe nicht wirklich bedingungslos ist, sondern vielmehr der Eindruck entsteht, dass sie immer erst etwas besonders gut machen müssen oder hervorstechen müssen, um deutlich spürbare und wahrnehmbare Zuwendung von Euch zu bekommen. Dies führt dazu, dass im Unterbewusstsein eine Verknüpfung entsteht. „Wenn ich mich also so und so verhalte, wenn ich das sage oder mache, so wie es sich die Mama oder der Papa scheinbar wünschen, dann bekomme ich uneingeschränkte Aufmerksamkeit und positive Zuneigung.

Eure Kinder lernen dadurch, dass sie sich Zuneigung erst verdienen müssen und sie daher immer an eine Bedingung geknüpft ist. Noch mehr verstärkt wird dieser Lerneffekt, wenn die Zuneigung und die Aufmerksamkeit durch unerwünschtes Verhalten oder unerfüllte Ansprüche bewusst entzogen wurde. Macht ein Kind also beispielsweise in die Hose, was vorher häufiger am Stück mit dem Gang zur Toilette klappte und hochgelobt wurde, ist die elterliche Reaktion in der Regel nicht positiv oder verständnisvoll. Und schon gar nicht liebevoll. Was der Grund dafür war, weshalb es heute einmal nicht geklappt hat, wird selten hinterfragt. Ein Kind stellt ganz schnell eine Verbindung her.

Nämlich: „Durch erwünschtes Verhalten bekomme ich Lob, Freude, Aufmerksamkeit, Zuneigung, Belohnungen, Versprechungen. Durch unerwünschtes Verhalten werde ich bestraft, ich werde ignoriert, ich werde abgelehnt und werde getadelt.

Eine Beispielsituation bei der Bewertungen außen vor bleiben

Statt den Toilettengang als etwas gelungenes zu bewerten und das Geschäft welches in die Hose ging, als etwas schlechtes, wäre es Eurem Kind gegenüber wertschätzender, wenn Ihr beides annehmt, ohne eine Bewertung dabei mit einfließen zu lassen.

Ihr könntet bei der Begleitung des Toilettengangs auf die Signale oder Äußerungen Eures Kindes eingehen. In der Krippe äußerte ein Kind z.B. als es auf der Toilette saß: “Ich Kakka machen.” Dabei färbt sich sein Gesicht vor lauter Anstrengung rötlich und sein Blick wirkt angestrengt. Statt einem “ja prima” könntet ihr z.B. sagen: “Du scheinst gerade zu drücken, kann das sein? Dein Kopf färbt sich ganz rot und Du guckst recht angestrengt.“ Ihr begleitet dadurch verbal, was Ihr in diesem Moment wahrnehmt, jedoch ohne eine Bewertung einfließen zu lassen.

Jetzt stellt Euch noch eine andere Situation vor – Euer Kind kommt im gespreizten Gang auf Euch zu und äußert: ”Pipi Hose Papa.” “Nass”
Wenn das Geschäft wie im oben genannten Beispiel dann in der Hose, statt in der Toilette verrichtet wird, wäre es wunderbar, wenn Ihr Eure Gesichtsmuskeln unter Kontrolle bringt 🙂 Damit meinen wir z.B. kein Hochziehen Eurer Augenbrauen, das Zusammenpressen Eurer Lippen oder jegliche verbale Kommentare die in die Richtung “Na das ist aber nicht so schön” gehen.
Denn Fakt ist, das Euer Kind Euch damit nichts Böses möchte. Es will Euch damit nicht ärgern. Es ist schlichtweg ein Prozess, der Zeit benötigt.
Eine zuwendende Haltung nehmt Ihr in dem Moment ein, wenn Ihr Euch auf Augenhöhe Eures Kindes begebt und sagt: “Danke, dass Du zu mir gekommen bist und mir das gesagt hast. Was hältst Du davon, wenn wir zusammen ins Bad gehen. Ich kann Dir Deine nasse Kleidung ausziehen und dann schauen wir beide mal in Deinem Schrank, was Du frisches anziehen möchtest, hm?”

Leider ist es tatsächlich möglich das Verhalten eines Kindes zu lenken und zu beeinflussen. Kinder begreifen sehr schnell. Experten nennen ein solches Verhalten auch „Lernen durch Verstärkung“ und es ist eine Form der Konditionierung. Man könnte es auch Manipulation nennen.

Ein Lob zu bekommen, fühlt sich sicherlich mal gut an, Glückshormone wie Dopamin und Oxytocin werden ausgeschüttet und sorgen für Entspannung, Glücksgefühle und Lebensfreude. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sie auch süchtig machen und somit sollte man das Lob wohlwollend dosieren und ehrlich statt manipulierend loben. Wie wertvoll ist ein Lob noch, wenn jemand davon 20-30 Stück am Tag bekommt? Wieviel Freude würde jemand dabei noch empfinden?

Und jetzt überlegt mal, wie viele Eurer Lobe wirklich reine Freude ausdrücken und wie viele Lobe mit der Absicht auf ein bestimmtes Verhalten gelenkt werden. Zählt doch mal wirklich pro Tag ganz bewusst wie oft Ihr lobt. Dazu gehören auch bereits Worte wie „super“ „toll“ „prima“ „spitze“ „klasse“ oder ein Applaudieren. Das sind auch kleine Lobe.

Wenn Ihr fertig seid mit dem Zählen, fragt Euch als nächstes, was der Hintergrund dafür gewesen ist. Wolltet Ihr Eure Freude teilen oder ein bestimmtes Verhalten verstärken?

Wenn Ihr Euch von Herzen mit Eurem Kind freut oder Stolz empfindet, dann dürft Ihr das auch zeigen. Ehrlich und authentisch. Echte Freude über neue Entwicklungsschritte und außergewöhnliche Leistungen sind absolut wichtig und berechtigt.

Beitrag von Nadja Simon

Vestibuläre Wahrnehmung

Vitale Kraft – Körper und Leben in Balace – Ein Beitrag zur vestibulären Wahrnehmungsförderung in der Krippe der Aqua Kita

Sich im Gleichgewicht befinden – einer der wichtigsten Ressourcen, die wir haben. Um uns im Raum orientieren zu können, unseren Körper aufrecht zu halten und uns zuverlässig und sicher in den Bedingungen der Schwerkraft bewegen zu können, benötigen wir unsere vestibuläre Wahrnehmung, die für Gleichgewichtssinn und Koordinationsfähigkeit zuständig ist. Bereits die jüngsten Kinder fühlen sich von erhöhten Steinen, Baumstümpfen etc. magisch angezogen und versuchen zu balancieren, ihr Gleichgewicht zu finden und zu halten.

Um einen Beitrag zur motorischen Entwicklung und vestibulären Wahrnehmungsförderung zu leisten, bieten wir in der Krippe in Mögeldorf Balance Steine an. Diese Steine, die natürlichen Flusssteinen und Hügelkuppen nachempfunden sind, basieren auf neuropädagogischen und sensorisch-motorischen Prinzipien. Durch die unterschiedlichen schrägen Kanten, den kleinen Trittflächen und den verschiedenen Höhen ist es möglich, den Schwierigkeitsgrad individuell anzupassen, in dem Abstände verringert oder vergrößert werden. Dieses Spiel bietet eine echte Herausforderung – für alle Altersklassen.

Die Vorteile und positiven Auswirkungen dieser Balance Steine erleben Kinder oft unbewusst. Es werden gleich mehrere Sinne angeregt und gefördert:
vestibuläre Wahrnehmung: Gleichgewicht finden und halten, Koordinationsfähigkeit
– unsere sensorische Integration wird gestärkt: Tiefensensibilität
taktiler Sinn: fühlen und ertasten, wohin die Hand oder der Fuß gesetzt werden muss
propriozeptiver Sinn: Kontrolle und Kraftregulierung um Bewegung anzupassen damit der nächste Schritt gelingt
visueller Sinn: verschiedene Höhen, Tiefen, Farben etc.

Auf den folgenden Bildern ist zu sehen, was unseren Krippenkindern bisher eingefallen ist und wie sie sich mit den Steinen auseinander gesetzt haben:

Was die Bilder nicht vermögen zu zeigen, ist die Entwicklung, die die Kinder bei ihren Versuchen und Fehlversuchen erfahren…

Beitrag von Daisy Rösner

Malentwicklung

Erinnerung

Ich erinnere mich an einen Tag im Kindergarten. Wir durften malen. Es sollte ein Bild eines kürzlichen Erlebnisses in der Natur zeigen. Alle Kinder malten bereits. Ich überlegte noch über welches Ereignis ich etwas malen wollte und bekam langsam inneren Druck, weil die anderen teilweise schon das halbe Blatt bemalt hatten. Ich zwang mich zu einer Entscheidung und wählte den Spaziergang durch eine Wiese mit Apfelbäumen. Mit großer Gründlichkeit begann ich jeden einzelnen Grashalm auf dem unteren Ende meines Blattes zu zeichnen und war über die wachsende „Wiese“ sichtlich begeistert. Die Tatsache dass einige Kinder schon fast fertig waren bremste meinen Eifer nicht. Ich hatte etwa die Hälfte meines Blattes mit feinen und fast parallel verlaufenden Grashalmen verziert als meine Kindergärtnerin (damals nannte man sie noch so) mir den Stift aus der Hand nahm, parallel zum Rand des unteren Blattes einen geraden grünen Strich malte und mir zufrieden den Stift zurück gab. Ich vermute, ich habe sie mit einem entsetzten Gesichtsausdruck angesehen, da sie mir sofort erklärte sie wollte mir nur helfen. Würde ich jeden Grashalm einzeln abbilden wollen, würde mein Bild nie fertig werden.

Malen ist eine Ausdrucksform

Malen ist für Kinder wie sprechen ohne Worte. Sie zeigen mithilfe von Farbe, Papier und einem Bewegungsimpuls ihre Gefühle. Dabei sollte Bewertung (Lob oder Kritik) keine Rolle spielen.

Auch viele Jahre nach dem oben beschriebenen Erlebnis erinnere ich mich an seine Wirkung. Sie hat mein Bild kaputt gemacht. Wie kann sie nur meine Motivation das ganz genau machen zu wollen nicht verstehen. Wieso ist ein ungenaues fertiges Bild mehr wert? Sie schätzt mein Bild nicht. Ihr gefällt meine Art zu malen nicht. Ich gefalle ihr nicht. Meine Art zu malen ist anders. Ich bin anders. Sie mag mich nicht. Ich mache das nicht richtig. Ich bin nicht richtig. Meiner Wut, meiner Fassungslosigkeit, meiner Verzweiflung und der Enttäuschung nicht dazu zu passen konnte ich damals natürlich keinen Ausdruck verleihen noch verstand ich, das es völlig normal ist individuell zu sein.

Wenn ein Kind malt, nimmt es die Realität ein Stück weit auseinander und setzt sie neu zusammen, sozusagen wie in einem Traum. Es handelt sich um eine Art Verdauungsprozess und darf nicht im Kontext von Nutzen stehen oder bewertet werden sagt Diplom-Kunsttherapeutin Kristina Matthiesen.

Warum uns eine natürliche Malentwicklung wichtig ist

Die vorbereitete Umgebung bedeutet für das Malen, dass ein Raum kreiert wird in dem Kreide und Stifte altersgerecht zur Verfügung stehen, dass die Kinder wählen können ob sie auf einem Stuhl sitzend oder auf dem Boden sitzend oder liegend malen wollen. Die Bedürfnisorientierung in unserem Konzept ergänzt das dadurch, dass die Kinder selbst entscheiden ob sie beobachten oder aktiv werden wollen und auch wie lange sie dabei bleiben und ob sie überhaupt dabei sein wollen. Darf das Kind sein Malen selber entwickeln ist in der Regel ein deutlicher Unterschied in der Führung und Handhaltung der Kreide zu erkennen. Manche Kinder verwenden mehr Druck, andere weniger. In der Umsetzung bei uns bedeutet es, dass wir weder die Haltung der Kreide oder des Stiftes korrigieren noch den eingesetzten Druck.

In einer bestimmten Phase der Malentwicklung beginnen die Kinder zu erzählen was sie gemalt haben. In der Umsetzung bei uns legen wir Wert darauf, sie erklären zu lassen und auch nachzufragen. Wir verzichten darauf den Kinder zu sagen was wir in ihrem Bild „sehen“ (erkennen können). Wir bewerten nicht was die Kinder malen, wir greifen nicht in ihr Werk ein oder malen für sie.

Wenn Kinder hören wie schön ein Erwachsener ein Bild eines Kindes findet, motiviert sie das auch ein Bild zu malen, welches die selben lobenden Worte erhält. Die Motivation ist dann nicht mehr die Freude am Malen. Die Befriedigung wird nicht durch das Erschaffen generiert. Der Focus liegt nicht mehr auf der Selbstwertschätzung sondern auf einer Anerkennung im Außen.

Beispiele aus unserem Alltag in der Krippe

Ein älteres Mädchen benannte, was es gemalt hat und kündigte daraufhin an, was es als nächstes vor hat zu malen.

Wir versehen die einzelnen Werke mit einem separaten Zettel auf welchem wir den Namen des Erzeugers, das Datum der Herstellung und gegebenenfalls einer Geschichte zum Bild notieren.

Hier noch ein paar Beispiele zur Phase des Kreiskritzelns…

Die verschiedenen Phasen der Malentwicklung

Das Spurschmieren mit breiartigen Substanzen ist meist die erste Form des Malens, welche aus der Bewegungsfreude der Kinder hervor geht. Auch das hinterlassen von Spuren mit Stöcken gehört in diese Phase der Malentwicklung. Aus der Freude an der Bewegung und dem Wunsch weitere Spuren zu hinterlassen generiert das Kind selbständig das, was wir Erwachsene üben nennen und wechselt dadurch irgendwann in die Kritzelphase. Meist wird die Kreide oder der Stift in der Faust gehalten und es entstehen erstmals Muster. In dieser Phase befinden sich die Muster häufiger neben den dafür vorgesehenen Flächen und es scheint, als ob der Prozess wichtiger ist als das Ergebnis. Beim Hiebkritzeln entstehen bereits kleinere Striche mit einer Bewegung aus der Schulter heraus und der Zusammenhang zwischen den Bewegungen und den hinterlassenen Spuren ist für das Kind erkennbar. In der nächsten Phase werden die Striche etwas länger und dichter und sie wird Schwingkritzeln genannt. Dabei bewegt sich der Unterarm. Da das Kind den Stift ab- und erneut aufsetzen schafft verlaufen die Striche in alle Richtungen und meist platziert das Kind sein Malergebnis in der Mitte des Blattes. Anschließend folgen erstmals rundere Formen wie Spiralen oder sogenannte Urknäule die man als Kreiskritzeln betitelt. In der nächsten Stufe wird aus senkrechten und waagerechten Linien ein Kreuz geformt. Zum Abschluss dieser Phase fängt das Kind an, seinem Bild eine Bedeutung zu geben und seine Zeichnung zu kommentieren. Häufig ist das beschriebene nur für das Kind sichtbar. In einer weiteren Phase entwickelt das Kind den sogenannten Kopffüßer, einen Kreis mit tentakelartigen Beinen, manchmal auch Armen ohne Rumpf oder Bauch gefolgt von der sogenannten Vorschemaphase, in der das Kind seinem Bild Bäume, Häuser oder Autos hinzufügt. Es beginnt die Phase, in der die Zeichnung geplant wird, das Kind weiß vor der Entstehung des Bildes was es malen möchte. Außerdem wird das gemalte detaillierter. Menschen erhalten z. B. Ohren oder Finger wobei die Proportionen selten realistisch sind. Manche gehen davon aus, das die Größe auf deren Wichtigkeit für das Kind schließen lassen. In der Schemaphase werden Arme und Beine bereits mit Doppellinien dargestellt und sogenannte Röntgenbilder entstehen, wenn das Kind mehrere Schichten eines Gegenstandes abbildet, der nicht durchsichtig ist wie z. B. ein Haus dessen Innenleben zu erkennen ist.

Die Entwicklung der Kinderzeichnung

Konflikte gehören zum Leben

Wie wir in der Aqua Kita mit Konflikten umgehen

Die meisten Menschen wünschen sich Beziehungen, ihr Familienleben, ihr Arbeitsumfeld frei von Konflikten. Dabei ist es so wichtig, durch Übung vielfältige Lösungsstrategien für Konflikte zu entwickeln. Konflikte verlieren dadurch mehr und mehr ihrer stressauslösenden Aspekte und der eine oder andere entwickelt sich zum geschickten Verhandler.

Deswegen ist es uns im Alltag so wichtig, Konflikte der Kinder zu begleiten, ihnen zu helfen ihren Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen, sie zu unterstützen mit den Reaktionen zurecht zu kommen wenn ein Bedürfnis einmal nicht erfüllt werden kann anstatt Partei zu ergreifen und zu entscheiden wer recht hat.

Konflikte gehören zum Leben. Entscheidend ist die Art und Weise, wie wir damit umgehen. Jesper Juul

Pädagogen durchlaufen eine fünfjährige oder längere Ausbildung, um auf die Situationen in den Kitas vorbereitet zu werden. Daher möchten wir Eltern manchmal von ihnen einen Leitfaden, an dem man sich orientieren kann, der einem das Gefühl gibt alles richtig zu machen. Daher finde ich den folgenden Artikel von Jesper Juul sehr hilfreich. Zum einen weil er erklärt, dass es keine pauschal richtigen Antworten für uns Eltern geben kann, zum anderen weil sein Artikel anregt die eigenen Glaubenssätze, Erfahrungen und Ideen zum Thema Konflikte zu hinterfragen.


Konflikte zwischen Kindern

Ich stoße oft auf die Frage „Wie soll man in Konflikten zwischen Kindern eingreifen?“, von Seiten der Eltern, die entweder unsicher sind oder die schlechte Erfahrungen mit einer bestimmten Vorgehensweise gemacht haben. Die Antwort auf diese Frage hängt natürlich von einer Vielzahl von Faktoren ab: Welche Kinder? Das Motiv des Erwachsenen für das Eingreifen? Das Alter der Kinder? Worum dreht sich der Konflikt? Usw.
Das Folgende ist deshalb keine konkrete Antwort, oder eine Gebrauchsanweisung, aber eine Reihe von Überlegungen, die hoffentlich inspirierend wirken können, wenn Eltern ihre eigenen Antworten finden müssen.

Was ist ein Konflikt?

Ein Zusammenleben oder eine Zusammenarbeit mit anderen Menschen – egal welchen Alters – ist ohne Konflikte nicht möglich. Das Einzige, das wir uns aussuchen können ist, wie wir uns ihnen gegenüber verhalten wollen, wenn diese aufkommen. Einige Menschen sind in Familien aufgewachsen, in denen alle Konflikte unter den Teppich gekehrt wurden, und kümmern sich deswegen zum Teil nicht um Konflikte; deshalb fehlt ihnen die Praxis, an ihnen zu arbeiten.

Andere kommen aus Familien, in denen es ständig Kämpfe und Konflikte gab, die jene unglücklich machten, weil sie nie gelöst wurden. Diese Menschen sind oft geneigt, Konflikte in ihrer eigenen Familie zu unterdrücken, wenn sie erwachsen werden und selbst Kinder bekommen, weil Konflikte für sie dasselbe wie einen Unglücksfall darstellen.

Viele von uns, die heutzutage Kinder haben, sind in einer Zeit aufgewachsen, in denen Erwachsene mit edler Gesinnung der Meinung waren, dass Konflikte vor Kindern verborgen werden müssen. Andere sind in einer Generation aufgewachsen, in welcher Konflikte oft zur Scheidung der Eltern führten: Beide Parteien haben deshalb ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Konflikten innerhalb ihrer Familie.

Ein Konflikt entsteht, wenn zwei Menschen gegensätzliche, oder manchmal bloß verschiedene Bedürfnisse oder Gelüste haben: Und weil nicht alle Menschen gleich sind, bedeutet das, dass wir an jedem einzelnen Tag Konflikte erleben. Hinzu kommt, dass wir nicht selten auch im Konflikt mit uns selbst stehen; ein Teil von uns will das Eine und ein anderer Teil will etwas Anderes.

Wenn wir ein Bedürfnis verspüren, kann der nachfolgende Prozess auf zwei unterschiedliche Weisen verlaufen:
1) Bedürfnis – Befriedigung (dieses Bedürfnisses) – Ruhe
Wir verspüren ein Bedürfnis, wie z. B. Hunger, woraufhin wir etwas essen und somit satt werden.
2) Bedürfnis – Frustration – Kampf – Trauer – Ruhe.
Wir verspüren ein Bedürfnis, wie z. B. Nähe; der Andere steht nicht zur Verfügung und wir werden frustriert und versuchen in Kontakt zu kommen aber werden abgewiesen; wir werden deswegen traurig, weinen und beruhigen uns wieder.

Missverstandene Fürsorge

Der erste Verlauf stellt unsere gemeinsame „paradiesische“ Vorstellung dar. Dem zweiten Verlauf begegnen wir oft im irdischen Alltag. Konzentrieren wir uns also ein wenig auf die beiden Elemente „Kampf“ und „Trauer“: Wenn wir ein Bedürfnis verspüren, wie z. B. „Ich möchte gerne, dass du dein Buch weglegst und dich ein wenig für das interessierst, das ich mit dir teilen möchte“, ist der erste Schritt (und für viele Erwachsene auch der schwerste), seinem Bedürfnis Ausdruck zu verleihen. Viele von uns sind in Familien aufgewachsen, in denen es als verkehrt oder egoistisch angesehen wurde, einfach zu sagen, was wir gerne bekommen möchten. Daraus resultiert, dass wir Erwachsenen oft unmittelbar zur Frustration übergehen: „Musst du immer lesen?“, „Wieso sagst du nie etwas?“, „Du interessierst dich nie für mich!“ usw.

Aber obwohl wir nun unser Bedürfnis ausdrücken, können wir trotzdem ständig riskieren, dass der Andere mit einem „Ich habe jetzt gerade keine Zeit“, „Ich habe jetzt keine Lust mich mit dir zu unterhalten, kann das nicht bis morgen warten?“, oder vielleicht bloß mit einem halb gequälten „Was ist denn jetzt?!“ antwortet. Wenn dies geschieht, beginnt der Kampf oder die Verhandlung – wie man eigentlich sagen müsste – weil es gerade kein Kampf im Sinne von Krieg ist, der hier gemeint ist. Aber selbst ein sehr geschickt Verhandelnder kann verlieren, (dies ist oft die kindliche Situation im Verhältnis zu den Erwachsenen: „Darf ich ein Eis haben?“, „Darf ich nicht ein bisschen länger aufbleiben?“). Manchmal sind unsere Bedürfnisse so verschieden, dass wir uns gar nicht einigen können, und wenn dies geschieht, gibt es in der Wirklichkeit nur eines zu tun: nämlich über die Niederlage zu weinen. Trauer ist das Einzige, das unsere innere Balance wieder aufrichten – und somit die innere Ruhe wiederherstellen kann. Nicht zu bekommen, was wir uns am meisten wünschen, stellt gewissermaßen eine traurige Niederlage dar. Es kann sich dabei um ein nicht besonders wichtiges Bedürfnis handeln, wobei die Trauer deswegen nur als kleine Enttäuschung wahrgenommen wird, oder aber das Bedürfnis kann so lebensnotwendig sein, dass die Trauer sich überwältigend anfühlt. Als Kinder hatten viele von uns nicht die Möglichkeit, die „große“, „mittelgroße“ oder „kleine“ Trauer zu verarbeiten. Die Erwachsenen unterbrachen uns mit ihrem: „Jetzt musst du aber lieb (umgänglich, vernünftig, groß) sein!“, „Hör auf dich zu spreizen!“, oder „Lass mich mit einem solchen Unsinn zufrieden!“ Wir mussten unseren Kummer hinunterschlucken und in der Frustration verbleiben. Wir ordneten uns unter, und nach einem sieben- bis achtjährigen Training konnten wir eine vernünftige, liebe, umgängliche oder erwachsene Maske tragen, und unsere Eltern konnten sich gegenseitig damit beglückwünschen, dass wir auf jeden Fall „anscheinend“ harmonisch (und nicht lästig) geworden waren. Eines der Resultate aus dieser missverstandenen Fürsorge ist, dass viele Erwachsene ein Gespür für die Trauer verloren haben. Sie bemerken einzig die Frustration und reagieren deswegen mit lautem Rufen, Ausschimpfen, Vorwürfen und Schlägen, wenn sie nicht das bekommen können, was sie vermissen. Dies verwehrt ihnen selbstverständlich das zu bekommen, was sie haben möchten, aber hinterlässt sie oft unbefriedigt, selbst wenn deren Umgebung versucht, ihren Ansprüchen gerecht zu werden.

Der kulturelle Faktor

Es gibt außerdem einen kulturellen Faktor außerhalb der psychologischen Mechanismen. Hier in Skandinavien bedeutet dies, dass die Anzeichen für einen Konflikt oft Schweigsamkeit oder Abstand sind, ganz im Gegensatz zur südlichen Kultur, in welcher Konflikte regelmäßig von Rufen, Schreien und erhöhter körperlicher Aktivität ausgehen. Wenn man in Skandinavien aufwächst, bedeutet das, dass man als Kind oft den Konflikt spürt, aber dessen genauen Inhalt nicht zu entschlüsseln vermag. Kinder in unserer Kultur kommen deswegen oft zu dem Schluss, dass sie diejenigen sind, mit denen etwas nicht in Ordnung ist, aber auf einer sonderbar diffusen Art und Weise. Das bedeutet nicht, dass Rufe und Schreie die bessere Lösung sind; sie stellen bloß eine andere Umgangsweise dar, und diese schafft eine andere Konfliktbereitschaft unter den Kindern, wenn diese erwachsen werden.

Obwohl diese charakteristischen Verhaltensweisen recht typisch für die nördlichen und südlichen Himmelsrichtungen sind, bedeutet dies nicht, dass sie angeboren sind – ganz im Gegenteil: sie sind angelernt. Wir erlernen sie in unserer Familie. Kinder wurden mit jener Konfliktbereitschaft geboren, wie sie in Punkt 1) und 2) früher in diesem Kapitel skizziert wurde, allerdings ohne dem wichtigsten Verhandlungswerkzeug, welches die Sprache ist, und ohne die Fähigkeit von ihr Gebrauch zu machen, um sich damit selbst auszudrücken. Gleichwie auf den meisten anderen Gebieten frühkindlicher Entwicklung, in denen sie mit der Ausbildung der Grobmotorik (große Bewegungen in den großen Muskeln) beginnen, und mit der Ausbildung der Feinmotorik (kleine Bewegungen in den kleinen Muskeln, wie z. B. in den Stimmbändern) abschließen, beginnen sie ebenfalls damit, Frustrationen und Konflikte sozusagen mit „Armen und Beinen“ auszudrücken.

Wenn es um die Verarbeitung von Konflikten mithilfe von Sprache (Feinmotorik) geht, lernen Kinder fast ausschließlich anhand von Beispielen, d. h. von ihren Eltern, deren Vorgehensweise sie nachahmen. Und das gilt sowohl hier als auch in allen anderen Beziehungen: Die Kinder lernen von der Vorgehensweise, mit der wir die Dinge angehen; nicht auf die Art und Weise, die wir ihnen vorschreiben, wie sie sie handhaben sollen. Sobald die Kinder fünf-sechs Jahre alt geworden sind, handeln sie, wie wir handeln, und weil niemand von uns perfekt ist, sind die Kinder es auch nicht.

Erwachsene können von Kindern lernen

Selbst wenn kleinere Kinder oft von „Armen und Beinen“ Gebrauch machen, wenn sie sich in einem Konflikt befinden, können die meisten von uns etwas von der Selbstverständlichkeit lernen, mit der sie ihre Bedürfnisse ausdrücken. Vielen Ehen und Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen würde es bedeutend besser bekommen, wenn alle Parteien die grundlegenden Sätze in der persönlichen Sprache verwenden würden: „Ich will“, „Ich will nicht“, „Ich kann (es) leiden“, „Ich kann (es) nicht leiden“, „Ich will haben“, bzw. „Ich will nicht haben“. Gleichzeitig haben Kinder in diesem Alter sich die Fähigkeit bewahrt, die richtige Tonlage zu den Worten hinzuzufügen. Sie rufen, wenn sie frustriert sind, weinen, wenn sie deswegen traurig sind, bzw. schimpfen, wenn sie zornig sind. Viele der Erwachsenen haben diese beiden wertvollen Eigenschaften verloren – zum großen Nachteil für ihre Lebensqualität.

Die Kinder können von uns lernen, wie man die Sprache zum Bearbeiten von Konflikten benutzt, was nicht mit einem „vernünftig über die Dinge sprechen“, oder einem „beruhige dich“, oder einem „sei jetzt logisch“ verwechselt werden darf. Der Mensch ist kein rationales Wesen; vor allem dann nicht, wenn wir uns in einem Konflikt mit uns selbst oder miteinander befinden.

Die Kinder können von unserem Beispiel lernen. Wie gehen Vater und Mutter vor, wenn sie sich in einem Konflikt miteinander befinden? Wie handeln Vater und Mutter, wenn sie sich im Konflikt mit uns befinden? Die Kinder sind wie immer der Spiegel, in dem wir uns selbst am deutlichsten sehen, und sie sind, wie immer, eine Inspirationsquelle, um unsere eigene Funktionsweise zu beobachten und diese zu verbessern.

Als Erwachsene können wir Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen lehren. Wir können ihnen beibringen, nicht über eine rote Ampel zu gehen, und ihnen ähnliche praktische und notwendige Fertigkeiten vermitteln. Aber was die wirklich wichtigen Dinge im Leben betrifft, sind es oft die Kinder, die uns am meisten beibringen können, obwohl sie dazu „verurteilt“ sind, uns nachzuahmen.

Wie man eingreift

Es ist relativ einfach, Anweisungen dafür zu geben, wie man in einen Konflikt eingreift. Man sollte persönlich und wohlüberlegt vorgehen, und man sollte es unterlassen zu kritisieren oder Partei zu ergreifen. Überlege dir zuerst, warum du in den Konflikt der Kinder eingreifen willst. Ist es, weil du Konflikte hasst und einen Mangel an Konflikten mit Harmonie und Glück verwechselst?
Falls es das ist, warte einen Augenblick! Ist es, weil der Konflikt zu destruktiv, zu verbissen ist? Falls es das ist, warte dennoch etwas, und sage dann: „Aufhören!“, „Stopp!“, und rufe es gerne so hoch und so innig aus, wie du den Drang danach verspürst! Das soll bloß effektiv sein. Keine halbherzigen Bemerkungen im Stil von: „Wollt ihr jetzt nicht einmal aufhören. Ich kann das bald nicht mehr aushalten“ (jammernd); „Ihr seid auch ganz unmöglich – alle beide. Könnt ihr nicht hören, was man euch sagt?“ (anklagend). „Nein, jetzt musst du also Rücksicht darauf nehmen, dass er trotz alledem der Kleine ist!“ (kritisierend).
„Was stimmt denn nicht mit euch und warum könnt ihr nicht ruhig und in Frieden miteinander spielen?“ (machtlos). Wenn der Konflikt gestoppt ist, kann man den Kindern dabei behilflich sein, die richtigen Worte zu finden, d. h. die Worte, die hinter „Scheißkerl“, „Idiot“ usw. stecken.
– Beginne damit, beiden Parteien folgende Fragen zu stellen: „Was ist es, das du gerne haben möchtest?“ Höre die Antworten sorgfältig an, und verzichte darauf, diese zu werten!
– Überprüfe, ob die Kinder jeweils die Antwort des anderen gehört haben und bitte sie evtl. darum, das Ergebnis der Antworten gegenseitig zu wiederholen.
– Bitte den Initiator zu untersuchen, ob das, was er bekommen möchte, möglich ist. Falls es nicht möglich ist, bitte ihn, seine Reaktion darauf auszudrücken! Dasselbe gilt, falls es möglich ist das zu bekommen, was er möchte.
– Vermeide es, den Kindern für ihre Mithilfe zu danken!
– Beachte stets, dass der Erwachsene lediglich Vermittler und nicht Richter ist!

Wenn dieser Vorgang abgeschlossen wurde, ist die Aufgabe des Erwachsenen zu Ende. Die Kinder sind sich nunmehr selbst und einander bewusst geworden und, ehe sie acht bis zehn Jahre alt geworden sind, sollten sie dies gelehrt bekommen haben. Falls du mit dieser Praxis erst anfängst, wenn die Kinder groß sind, benötigt es nicht so viel Zeit, aber rechne nicht damit, dass die Konflikte aufhören, bevor ein Jahr oder noch mehr Zeit vergangen ist! Es gibt keinen Grund moralisierend zu werden oder Schuld zuzuweisen. Dies baut – ganz im Gegenteil – auch noch einen neuen Konflikt in den Kindern selbst, oder zwischen ihnen auf und bremst somit ihr Erlernen.

In manchen Familien gibt es sehr häufige Konflikte zwischen Kindern; es scheint, als ob selbst der kleinste Zwischenfall einen Anlass zum Streit liefert. Sollte dies der Fall sein, zahlt es sich aus, die Familie zusammen zu rufen und ein gründliches Gespräch darüber zu führen was „es“ ist, das zur Zeit in der Familie liegt und vor sich hin schwelt. Es gibt drei Orte, an denen man suchen kann: zwischen den Erwachsenen und den Kindern, zwischen den Erwachsenen untereinander, oder zwischen den Kindern. Die Ursache für ein anhaltend hohes Konfliktniveau findet sich selten bei den Kindern.

Letztlich sind wir als Eltern oft von einem unbändigen Drang besessen uns nützlich zu machen, um zu erziehen, um von uns zu lernen. Oft geschieht all die Aktivität mehr unseretwegen als der Kinder wegen. Falls du es nicht ertragen kannst, wenn die Kinder Konflikte haben, versuche, die Szenerie zu verlassen. Schließ die Tür, geh in einen anderen Raum, geh spazieren! In vielen Fällen lernen die Kinder schneller und besser, je weniger wir uns einmischen.

©Jesper Juul, www.familylab.de – die familienwerkstatt

Barfuß zu sein nützt nicht nur der Gehirnentwicklung

Bewegung ohne Schuhe

Barfuß laufen dürfen die Kinder in der Aqua Kita auch im Winter, wenn das gerade ihrem Bedürfnis entspricht und selbstverständlich kann auch der Schnee mit bloßen Füßen getestet werden… 👣.

Rae Pica glaubt, wir sollten grundsätzlich für viel mehr barfuß Zeit sorgen im Hinblick auf die vielen physischen und kognitiven Vorteile. Englischer Beitrag
Wer den Beitrag lieber in Deutsch lesen möchte, folgt bitte diesem Link zu einer sinngemäßen Übersetzung ins Deutsche.

Der Kinderfuss

Neugeborene kommen mit Plattfüßen zur Welt. Bei Babys ist also noch nichts vom Fußgewölbe zu sehen, denn dies ist noch mit dicken Fettpölsterchen ausgefüllt. Diese schützen den Fuß bei den ersten Gehversuchen.
Kinderfüße sind noch weich und formbar, denn ihr Skelett besteht anfangs überwiegend aus Knorpel und verknöchert erst nach und nach. Deshalb sind Kinderfüße in den ersten Lebensjahren unempfindlich gegen Druckschmerz. Kinder benötigen keine Lauflernschuhe, man sollte Schuhe so spät wie nur möglich kaufen. Denn Füße benötigen Bewegungsfreiheit, um sich bestmöglich entwickeln zu können.
Kinder haben in den ersten zwei Lebensjahre oft O-Beine, diese verwachsen sich bis zum 2. Lebensjahr. Aus dem O-Bein wird allmählich das X-Bein (2.-4. Lebensjahr). Das X-Bein bildet sich vom vierten bis zum sechsten Lebensjahr zurück und wird dann zu geraden Beinen.

Das Schuhwerk

„98 Prozent aller Menschen kommen mit gesunden Füßen auf die Welt, aber nur noch 40 Prozent der Erwachsenen haben gesunde Füße.“
Daher sollten Schuhe so spät wie möglich gekauft werden und vor allem sollten passende Schuhe gekauft werden. Das dauerhafte Tragen unpassender Schuhe kann zu Fußfehlstellungen führen, z. B. Knick-Senkfuß, Platt-Senkfuß, Sichelfuß, Spreizfuß oder Haglund-Syndrom. Passende Schuhe zu kaufen ist gar nicht so einfach, denn Schuhgrößenauszeichnungen sind selten korrekt. Deshalb sollten sowohl die Fußlänge als auch die Innenlänge des Schuhs gemessen werden. Darüber hinaus sollte man im Alter von 1-3 Jahren alle drei Monate die Schuhgröße kontrollieren, im Alter von 3-6 Jahren alle vier Monate. Kinderschuhe sollten leicht und flexibel sein, sie müssen sich biegen und verwinden lassen. Die Schuhsohle sollte dünn, flach und flexibel sein, denn Schuhe sollen nur eine Schutzfunktion haben. Da beim Laufen mit normalen Schuhen die Hüft- und Kniegelenke stärker belastet werden als beim Barfußlaufen sollte man dennoch so oft wie möglich auf Schuhe verzichten! Auch weil die Fußmuskulatur durch das Tragen von Schuhen nicht trainiert und unterfordert ist, was zu einem muskulären Ungleichgewicht führen kann. Eine Alternative zu normalen Schuhen sind Barfußschuhe.

Motorik

Barfuß werden mehr Muskeln beansprucht und so wird die Muskulatur abwechslungsreich geschult und gekräftigt. Dies fördert die Beweglichkeit, stärkt die Kraft der Bänder und Gelenke und wirkt sich günstig auf die Körperstatik aus. Barfüßige Kinder haben z. B. einen besseren Gleichgewichtssinn, besseres Körpergefühl, mehr Stand- und Trittsicherheit, mehr Stabilität und Bodenhaftung.

Immunsystem

Barfußlaufen regt die Durchblutung an, fördert damit den Kreislauf und senkt den Blutdruck. Es trägt zur Entspannung bei, baut Stress ab, steigert die Konzentration und hebt die Stimmung.
Wie ist es bei nassen und kalten Füßen? Wird man krank, wenn man z. B. auf nassen Wiesen oder kalten Steinboden unterwegs ist? Nicht nach unserer Erfahrung. Man aktiviert damit die körpereigene Temperaturregulierung und Immunabwehr und stärkt so den Selbstschutz. Wichtig ist, in Bewegung zu bleiben. Wenn man wieder reingeht, die nassen Füße in Socken stecken und so wieder aufwärmen, oder auch durch Bewegung die Füße wärmen.

Wahrnehmung

Wir können besonders gut mit den Füßen fühlen, denn in der Fußsohle befinden sich über 72.000 Nervenenden. Meist ist die Feinsensorik der Fußsohlen durch das permanente Tragen von Schuhen total verkümmert. Barfuß verbessert man die komplette Körperwahrnehmung und die Rückgewinnung von sensorischem Input, was zu entsprechenden neuronalen Verbindungen im Gehirn führt. Diese Verbindungen sorgen schließlich dafür, dass Kinder einen sicheren Tritt, eine ausgeprägte Balance und eine erweiterte Wahrnehmung haben.

Achtsamkeit

Barfuß ist man achtsamer, denn man richtet seine volle Konzentration und Aufmerksamkeit auf den Untergrund. Man läuft barfuß viel langsamer und bewusster. Man achtet dabei viel mehr auf seine Umwelt und auf den Boden der einen umgibt. Dies entschleunigt und man wird entspannter.
Aber auch vor Verletzungen beim Barfußlaufen braucht man keine Angst haben, da man z. B. Glasscherben, Hundehaufen, etc. viel früher wahrnimmt, denn man achtet ganz anders auf den Boden.

Erdung

Erdung bedeutet, sich wieder mit der Erde zu verbinden. Die Erdladung ist negativ, dies ist vergleichbar mit dem Minus-Pol einer Batterie.
Wenn man direkten und leitfähigen (barfuß) Kontakt zur Erde hat, dann kann der Körper die Elektronen der Erde aufnehmen. Diese braucht er, um frei Radikale unschädlich zu machen.
Unser Körper ist ständig freien Radikalen ausgesetzt. Stress, Umweltgifte, schlechte Ernährung und Drogen (Zucker, Alkohol, Rauchen) sorgen für einen zu hohen Überschuss an freien Radikalen. Freie Radikale sind schädliche und aggressive Moleküle, denen ein Elektron fehlt. Die freien Radikalen wandern durch den Körper und versuchen elektrische Spannung auszugleichen, dabei beschädigen sie Zellen und Gewebe und dies führt zu allerlei Krankheiten.

Untergründe

Barfußlaufen ist in unseren Breitengraden überall und ganzjährig möglich. Dennoch ist darauf zu achten im Ballengang zu laufen und nicht im ungünstigen Fersengang, da unser Ballen ein natürlicher Stoßdämpfer ist. Kleinkinder laufen alle über den Vorderfuß, denn sie laufen instinktiv richtig. Erst durch das Imitieren der Erwachsenen und durch viel zu schnellen und falschen Schuhkauf erlernen Kinder den ungesunden und ungünstigen Fersengang. Barfußlaufen ist also im Ballengang auf jedem Untergrund möglich, also auch auf Asphalt oder Beton. Denn man sollte seinen Füßen immer wieder einen Ausgleich auf natürlichen Untergründen schaffen. Denn desto vielfältiger sind die positiven Reize für das Nervensystem und die Muskulatur. Durch regelmäßiges Barfußlaufen entwickelt sich eine sehr elastische und strapazierfähige Lederhaut, welche den Fuß widerstandsfähiger und zäher macht. Es entsteht keine Hornhaut, diese bekommt man nur, wenn man falsch läuft.
Wichtig ist noch darauf zu achten, dass Asphalt im Sommer sehr heiß wird und man Verbrennungen bekommen kann. Im Winter kann man Erfrierungen auf Eis bekommen. Da kann man z. B. auf Barfußschuhe zurückgreifen.

Fußreflexzonen

Der gesamte Körper spiegelt sich in den Fußsohlen wider, da durch Energiebahnen eine Verbindung zwischen Körper und Füßen hergestellt wird. Wenn wir also in der Natur Barfußlaufen ist dies wie eine natürliche Fußreflexzonenmassage, man aktiviert alle Bereiche seines Körpers.

Kneipp

Auch schon Pfarrer Kneipp wusste, wie wichtig das Barfußlaufen für die Gesundheit ist. Nur so können sich Menschen mit der Erde verbinden und ihr Urvertrauen stärken. Kneipp-Anwendungen werden barfuß gemacht, z. B. Tautreten, Schneetreten, Wassertreten, etc.

Erlebnis-Inspiration

Egal ob das Konzept des barfuß Laufens Sie nun begeistert oder nicht, bieten Sie den Füßen sinnliche Erlebnisse an. Eine Inspirationen könnte dieser Beitrag sein…

Sensorische Faszination